60'000 Franken für eine Baukasten-Webseite? Vorsicht vor dieser Kostenfalle für KMU
Eine Autorennotiz zur Methodik dieses Artikels
Warum schreibe ich einen ganzen Blogartikel aufgrund einer einzigen Trustpilot-Bewertung?
Weil ich als Webdesigner und IT-Fachmann beim Lesen dieser spezifischen Bewertung sofort stutzig geworden bin.....
Der Verfasser (ein Informatiker) argumentiert nicht mit Emotionen, sondern mit harten, technischen Fakten: Er nennt konkrete Summen, spricht von Log-Files, der Diskrepanz zwischen Dashboard-Besuchern und echten Menschen (Bots)
Diese Fachbegriffe, die logische Herleitung und die nachvollziehbaren Begründungen lassen ****für mich**** keinen anderen Schluss zu: Diese Schilderung entspricht der Wahrheit. Aus diesem Grund nehme ich diese eine Bewertung zum Anlass, den Fall hier detailliert aufzuarbeiten und einzuordnen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Wenn aus einem Werbeversprechen eine Existenzfrage wird
Es ist eine Geschichte, die sprachlos macht. Ein IT-Fachmann schaut sich die Verträge seiner Eltern an – ein kleiner 2-Personen-Betrieb. Was er dabei findet, ist nicht nur ein schlechter Deal, sondern der Albtraum jedes Kleinunternehmers: Jährlich fliessen Beträge im guten fünfstelligen Bereich an die Swisscom-Tochter Localsearch.
Die Gegenleistung? Eine Baukasten-Webseite und Statistiken, die reine Fiktion sind.
Dieser Fall, den der Informatiker öffentlich auf Trustpilot dokumentiert hat, ist eine der detailliertesten und erschütterndsten Analysen der Localsearch-Praktiken. Wir fassen die brisanten Details zusammen und zeigen, warum dieser Fall als Mahnmal für alle Schweizer KMU dienen muss.
Die harten Fakten aus der Trustpilot-Analyse

Der Informatiker hat die Verträge und die technischen Daten der Localsearch-Dienstleistungen seiner Eltern genauestens unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist ein Offenbarungseid für die verkauften Marketingpakete:
Die Kostenfalle: 30'000 Franken wurden für eine reine Baukasten-Webseite verlangt. Weitere 30'000 Franken flossen in kryptische „Targeting-Pakete“ (L/M) pro Jahr. Ein absoluter Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass professionelle, individuell gestaltete Webseiten am Markt oft zu einem Bruchteil dieser Kosten zu haben sind.
Das Bot-Desaster (Irreführende Statistik): Das Localsearch-Admin-Dashboard wies stolz ca. 10'000 Besucher aus. Die genaue Analyse der Log-Files zeigte jedoch ein erschütterndes Bild: Nur 35 echte Menschen waren auf der Seite. Der Rest waren Bots und automatisierte Aufrufe. Diese gefälschte Erfolgsstatistik dient einzig und allein dazu, dem unerfahrenen Kunden eine funktionierende Kampagne vorzugaukeln.
SEO-Versagen: Im letzten Monat vor der Analyse verzeichnete die Seite laut Log-Files genau einen Bot-Besuch für 0 Sekunden. Die teuer bezahlten Kampagnen brachten dem Geschäft exakt null Sichtbarkeit.
Mangelhafte Umsetzung: Gegen den expliziten Wunsch der Inhaber wurde ein Newsletter-Button aufgeschaltet. Der Support war über ein ganzes Jahr hinweg kaum erreichbar, um überhaupt erst einmal Zugriff auf das Dashboard zu erhalten.
Rechtliche Knebel: Localsearch versuchte, den 2-Personen-Betrieb mit einer 3-jährigen Laufzeit zu binden und behauptete dreist, Art. 404 OR (Auftragsrecht) gelte nicht. (Anmerkung: Nach Schweizer Obligationenrecht kann ein Auftragsverhältnis grundsätzlich jederzeit mit sofortiger Wirkung aufgelöst werden. Eine 3-jährige Knebelung ist rechtlich höchst fragwürdig).
Der Informatiker zog die Notbremse: Die Verträge wurden per sofort gekündigt und werden wegen Übervorteilung und absichtlicher Täuschung angefochten. Sein Appell an Localsearch: „Ersparen Sie uns Ihre Textbausteine. […] Wenn es nicht anders geht, kann man sich gerne im TV oder ähnlichem mal begrüssen. Ich würde da die gemütliche Sendung ‚Kassensturz‘ empfehlen.“
Fachliche Einordnung: Warum das System hat
Als Webdesigner und Inhaber von PixelDill kann ich bestätigen: Das, was hier beschrieben wird, ist kein bedauerlicher Einzelfall, sondern ein System.
1. Die Sache mit dem Traffic (Bots vs. Menschen):Ein Admin-Dashboard, das 10'000 Besucher anzeigt, von denen aber 9'965 Bots sind, ist kein Marketing-Tool, sondern ein Beruhigungsmittel für den Kunden. Wer als KMU nicht weiss, wie man Log-Files oder Google Analytics richtig liest, sieht die Zahl 10'000 und denkt: „Wow, meine Werbung funktioniert.“ Das ist irreführend und an Zynismus kaum zu überbieten.
2. 30'000 Franken für eine Baukasten-Webseite:
Für 30'000 Franken erwartet man im professionellen Webdesign eine massgeschneiderte, blitzschnelle, barrierefreie und SEO-optimierte Webseite mit individuellem Design und umfassender Strategie. Eine „Baukasten-Webseite“ (wie z.B. ein WordPress-Theme oder ein Baukasten-System) rechtfertigt diesen Preis in keiner Weise. Hier wird die Unwissenheit von Handwerksbetrieben schamlos ausgenutzt.
3. Die rechtliche Dimension (Art. 404 OR):
Die Aussage, Art. 404 OR gelte nicht, ist ein massiver roter Flagge.
Das Schweizer Auftragsrecht schützt den Auftraggeber. Wenn ein Unternehmen versucht, Kunden durch falsche Rechtsbehauptungen an jahrelange Verträge zu binden, ist das ein Fall für die Anwälte.
Das Muster: Kein Einzelfall
Dieser Fall reiht sich nahtlos in eine lange Liste von Berichten ein:
SRF „Kassensturz“ (2023): Berichtete über gefälschte Unterschriften auf Localsearch-Verträgen.
SRF „Espresso“ (2024): Berichtete über einen KMU, der trotz ausbleibender Leistung mit Mahnungen und Betreibungen überzogen wurde.
Beobachter (2026): Dokumentierte den Fall eines Zürcher Fischerladens, der Verträge über 221'000 Franken an der Backe hatte.
All diese Fälle eint ein Muster: Intransparente Kosten, mangelhafte Leistung und massiver Verkaufsdruck.
Was KMU daraus lernen müssen (Checkliste)
Wenn Sie als Kleinunternehmer von einem Anruf von Localsearch (oder einem ähnlichen Anbieter) überrascht werden, beachten Sie bitte Folgendes:
Niemals am Telefon oder auf einem Tablet unterschreiben. Lassen Sie sich den Vertrag als PDF oder auf Papier schicken.
Rechtliche Prüfung: Wenn Ihnen gesagt wird, „Art. 404 OR gelte nicht“, lassen Sie das von einem Treuhänder oder Anwalt prüfen. Das ist meistens Unsinn.
Traffic-Check: Fragen Sie, wie die Besucherzahlen gemessen werden. Lassen Sie sich erklären, wie man „Bots“ von „echten Menschen“ unterscheidet.
Eigenes Google-Profil: Ein Google-Unternehmensprofil (Google Business Profile) ist kostenlos. Investieren Sie lieber in eine gute, eigene Webseite und lokale SEO, statt in 50 nutzlose Verzeichniseinträge.
Support testen: Rufen Sie den Support an, bevor Sie unterschreiben. Wenn Sie schon vor dem Vertrag niemand erreicht, wird es danach nicht besser.
Fazit
Der Fall dieses Informatikers und seiner Eltern ist ein Weckruf. Er zeigt, wie digitale Unerfahrenheit ausgenutzt wird, um Baukasten-Webseiten für 30'000 Franken und Fake-Traffic zu verkaufen.
Für die Betroffenen bleibt zu hoffen, dass die Kündigung und die Anfechtung wegen Täuschung erfolgreich sind. Für alle anderen KMU gilt: Seien Sie misstrauisch, wenn Ihnen jemand am Telefon verspricht, Ihr Geschäft mit ein paar Klicks auf Knopfdruck zu retten.
Die beste Investition ist oft die in einen ehrlichen, transparenten Partner – und nicht in einen Vertrag, der Sie drei Jahre lang knebelt.
Kleingedrucktes für die Anwälte von Swisscom
Rechtliche Einordnung – worauf ich mich berufe:
Meinungsfreiheit (Art. 16 BV): Die Schweizer Bundesverfassung garantiert jeder Person das Recht, ihre Meinung frei zu bilden und sie ungehindert zu äussern und zu verbreiten. Diese Freiheit ist nicht schrankenlos, aber sie schützt auch kritische Äusserungen über Unternehmen, solange sie sich im Rahmen des Zulässigen bewegen.
Abgrenzung Tatsache/Meinung: Die im Artikel genannten Zahlen (30'000 Franken, 10'000 Besucher, 35 echte Menschen, Art. 404 OR) sind Tatsachenbehauptungen, die ich wörtlich aus der zitierten öffentlichen Trustpilot-Rezension übernehme und als solche kennzeichne. Es handelt sich um die Schilderung des Rezensenten, nicht um meine eigene Tatsachenbehauptung.
UWG (Art. 3 Abs. 1 lit. a): Meine Kritik ist sachlich und dient der Information der Öffentlichkeit – ein berechtigtes Interesse. Sie ist nicht „unnötig verletzend“, weil sie sich auf konkrete, dokumentierte und öffentlich zugängliche Vorgänge stützt.
Zitatrecht: Die Wiedergabe von Zitaten aus einem öffentlichen Portal unter klarer Quellenangabe ist zulässig.
Dies ist meine persönliche Meinung.
Sie basiert auf den Erfahrungen meiner Kundinnen und Kunden mit den Beratern von Localsearch/Swisscom sowie auf öffentlich zugänglichen Online-Rezensionen. Es handelt sich ausdrücklich um eine Meinungsäusserung und nicht um eine Tatsachenbehauptung über einzelne Personen.
Und ja: Mit einem Augenzwinkern geschrieben ;D , aber im Ernst gemeint !
Quellenverzeichnis
Trustpilot (deutsch): Bewertung „60'000 CHF für Baukasten-Webseite? Vorsicht vor dieser Kostenfalle für KMU!“, abgerufen am [Datum einsetzen].https://ch.trustpilot.com/review/localsearch.ch?search=60%27000&stars=1
SRF Espresso (2024): Localsearch verärgert KMU.https://www.srf.ch/audio/espresso/localsearch-veraergert-kmu
Beobachter (2026): «Es ist eine Swisscom-Tochter – ich habe der Firma vertraut».https://www.beobachter.ch/konsum/es-ist-eine-swisscom-tochter-ich-habe-der-firma-vertraut-947545
Obligationenrecht (OR), Art. 404 – Widerruf des Auftrags.
Bundesverfassung (BV), Art. 16 – Meinungsfreiheit.
Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), Art. 3 Abs. 1 lit. a – Unlautere Herabsetzung.

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag ist eine kritische Analyse öffentlich zugänglicher Quellen. Er stellt keine Rechtsberatung dar. Die Zitate und Vorwürfe sind der Originalquelle (Trustpilot) zuzuordnen und stellen die persönlichen Erfahrungen des Rezensenten dar. Die fachliche Einschätzung des Autors ist als solche gekennzeichnet.




Hallo zusammen
Dieser Fall zeigt leider einmal mehr, dass hier ein System dahintersteckt. Ich habe diesen Artikel geschrieben, weil ich als Webdesigner täglich sehe, wie digitale Unerfahrenheit ausgenutzt wird – und das macht mich fassungslos.
Mir ist wichtig: Ihr seid nicht allein damit. Ich würde meine Recherche zu diesem Thema gerne ausweiten und weiterführen. Wenn ihr selbst Ähnliches mit Localsearch (oder anderen Anbietern) erlebt habt, euch unter Druck gesetzt fühltet oder Fragen zu euren Verträgen habt: Meldet euch liebend gerne bei mir!
Schreibt mir eine E-Mail an nico@pixeldill.ch oder nutzt das Kontaktformular auf meiner Website.
Ich nehme eure Erfahrungen gerne auf, um noch mehr Licht ins Dunkel zu bringen und anderen KMU zu helfen.
Liebe Grüsse Nico Dill 😄