ChatGPT Ads – Pläne, Werbeformate und Vergleich mit Google & Meta Ads
- PD-Blogteam

- 19. Okt. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 8. Jan.
ChatGPT als Werbeplattform? OpenAI hat lange Zeit auf ein Abo-Modell gesetzt, doch aktuelle Signale deuten darauf hin, dass Werbung (sogenannte ChatGPT Ads) für die Monetarisierung der Gratisnutzer nicht mehr ausgeschlossen ist.

Internen Dokumenten zufolge plant OpenAI ab 2026 Werbeerlöse in ChatGPT zu erzielen – man rechnet mit 1 Milliarde USD Umsatz im Jahr 2026 durch ein werbefinanziertes Angebot für kostenlose User, bis hin zu 25 Milliarden USD bis 2029. Diese Ambitionen zeigen: ChatGPT könnte in den nächsten Jahren zu einer neuen Werbeplattform neben Google und Meta heranwachsen.
Allerdings betont OpenAI, Werbung nur mit Bedacht einzuführen. CFO Sarah Friar erklärte etwa, man werde Anzeigen „sorgfältig“ und behutsam in die Chatoberfläche integrieren. CEO Sam Altman selbst steht Werbung kritisch gegenüber – er nannte Ads in KI-Assistenzsystemen einen „letzten Ausweg“ und empfindet „Ads-plus-AI“ als einzigartig verstörend. Dennoch gibt es klare Anzeichen für einen Strategiewechsel: OpenAI hat Werbe-Experten von Google, Meta, Instagram & Co. eingestellt und im September 2025 eine Stellenausschreibung für einen „Growth Paid Marketing Platform Engineer“ veröffentlicht.
Diese Person soll eine interne Anzeigen-Infrastruktur entwickeln (Kampagnen-Management, Targeting, Analytics usw.), was auf konkrete Pläne für Werbung in ChatGPT hindeutet. Mit über 800 Millionen wöchentlich aktiven Nutzern weltweit besitzt ChatGPT jedenfalls ein gewaltiges Potential als Werbekanal.
Mögliche Werbeformate in ChatGPT
Ein Mock-up zeigt, wie ein eingebettetes Werbeformat in ChatGPT aussehen könnte: Nach einer Rezeptanfrage erhält der Nutzer am Ende der Antwort einen hervorgehobenen Sponsored-Hinweis mit Link zu einem passenden Kochangebot.
Für ChatGPT Ads werden verschiedene Werbeformate diskutiert, die sich nahtlos in den Dialog einfügen könnten. Anders als klassische Banner oder Suchanzeigen stünden diese Formate im konversationellen Kontext. Experten skizzieren u. a. folgende Möglichkeiten:
Gesponserte Antworten: Ähnlich wie Google-Textanzeigen, aber in natürlicher Sprache. Bei einer Frage nach „dem besten CRM für kleine Unternehmen“ könnte oberhalb der normalen Antwort ein klar als Anzeige markierter Lösungsvorschlag erscheinen – z. B. „[Sponsored] Salesforce empfiehlt sich als CRM für kleine Unternehmen…“. Dieses Format liefert dem Nutzer direkt eine Werbeantwort innerhalb des Chats.
Native Produktplatzierungen: Marken oder Produkte werden subtil im Fließtext erwähnt. Wichtig ist die Kennzeichnung, damit Transparenz gewahrt bleibt. Beispiel: „…du könntest auch eine Reise mit EcoTours in Betracht ziehen (Gesponsert).“
Kontextuelle Empfehlungen & Affiliate-Links: Je nach Gesprächsverlauf könnten passende Produktempfehlungen eingeblendet werden (z. B. Reinigungsprodukte nach Putztipps) – ggf. mit Affiliate-Links. Akzeptanz steigt, wenn solche Hinweise nur bei expliziter Nachfrage erscheinen und zum Intent passen.
Eingebettete Links oder Karten: Gesponserte Link-Boxen vor oder nach der Chat-Antwort – als kleine Karte mit Produktbild, Titel, „Anzeige“-Label und Link. Microsoft testet ähnliche Modelle in generativen Antworten.
Gesponserte Sessions / Features: Free-User sehen einen kurzen Spot oder interagieren mit einer Ad, um temporär Premium-Funktionen freizuschalten (z. B. Zugang zu stärkeren Modellen oder mehr Tokens). Auch Sponsored Upgrades sind denkbar.
All diese Formate setzen voraus, dass Transparenz gewährleistet ist. Werbeeinblendungen dürfen nicht den eigentlichen KI-Antworttext verändern. Anzeigen müssen klar gekennzeichnet und visuell getrennt präsentiert werden – z. B. als eigener Abschnitt mit Label „Gesponsert“. Ziel ist eine unaufdringliche Integration bei minimalistischem UI, sodass ChatGPT-Ads „natürlich“ wirken, ohne als klassische Banner wahrgenommen zu werden.
ChatGPT Ads vs. Google Ads und Meta Ads – Ausblick für 3–5 Jahre
Reichweite & Nutzerbasis: Google dominiert mit Milliarden Suchanfragen den Suchanzeigenmarkt. Meta erreicht über Feeds ebenfalls Massen. ChatGPT hat mit hunderten Millionen wöchentlich aktiven Nutzern zwar (noch) eine kleinere, aber rasant wachsende Audience und gewann 100 Mio. Nutzer schneller als jede App zuvor.
Jüngere Zielgruppen nutzen ChatGPT bereits intensiv – attraktiv für Advertiser. Wahrscheinlich punktet ChatGPT besonders in spezifischen Use-Cases, statt Google/Meta vollständig zu verdrängen. Nutzerakzeptanz & Vertrauen: In der Suche oder im Feed sind Ads etabliert – im Chat erwarten Nutzer neutrale, hilfreiche Antworten. Werbung ist hier sensibler. Entscheidend sind Relevanz und Kennzeichnung. Ein gesponserter Hinweis, der exakt die gesuchte Lösung bietet, kann als Mehrwert empfunden werden. Bei behutsamer Umsetzung könnte die Akzeptanz schrittweise wachsen – auch, weil Werbung Free-Angebote finanziert.
Werbewirkung & Performance: ChatGPT liefert einen Intent-starken Kontext: Nutzer kommen mit konkreten Fragen und akuter Handlungsabsicht. Passende Angebote im richtigen Moment können sehr hohe Klickraten und Conversion-Raten erzielen. Früh sichtbare Datenpunkte zeigen, dass Chat-Empfehlungen spürbar Traffic treiben können. In 3–5 Jahren könnten ChatGPT-Kampagnen fester Bestandteil des Marketing-Mixes sein – besonders in Kategorien mit Beratungsbedarf. Gelingt kontextgetriebene, personalisierte Ausspielung, könnte ChatGPT in bestimmten Nischen effizienter sein als klassische Kanäle.
Reaktionen der Konkurrenz: Google testet Ads in generativen Suchantworten (SGE). Microsoft integriert Werbung in Bing/Copilot. Meta dürfte Chatbots in WhatsApp/Instagram monetarisieren. In fünf Jahren wird kein großer Player ohne KI-Werbeformate sein. Für Werbetreibende heißt das: mehr Kanäle, mehr Fragmentierung – und Bedarf an plattformübergreifendem Kampagnen-Management.
Bottom line: KI-basierte Werbeformate werden voraussichtlich stark wachsen. Realistischer ist eine Ergänzung zu Google/Meta statt sofortige Ablösung. Chatbots werden dort zum bevorzugten Kanal, wo Beratung und Vergleiche gefragt sind; Such- und Social-Ads bleiben für andere Zwecke relevant.
Entscheidend ist, dass OpenAI die Balance zwischen Monetarisierung und Nutzerzufriedenheit hält.
Mögliche Kostenmodelle (CPC, CPM etc.) und erwartbare Preise
Konkrete Preislisten gibt es nicht. Wahrscheinlich orientiert sich OpenAI an Auktionsmodellen:
CPC (Cost-per-Click): naheliegend, ähnlich Suche; in umkämpften Kategorien potenziell höher wegen sehr hoher Intent-Dichte.
CPM (Tausender-Kontaktpreis): sinnvoll für sichtbare Karten/Kacheln ohne Klick.
CPE/CPA (Engagement/Lead): plausibel für dialogische Formate oder qualifizierte Anfragen.
Pauschale Sponsorships: fixe Pakete für Sichtbarkeit/Platzierungen (z. B. „Featured Sponsor“).
Anfangs könnten Preise günstiger sein (weniger Wettbewerb, knappes Inventar), mittelfristig dürfte sich das Niveau an andere PPC-Kanäle annähern.
Ein Qualitäts-/Relevanzfaktor ist wahrscheinlich: Gute Nutzer-Signale (Klickrate, Verweildauer, Bewertungen) werden belohnt. Gut möglich, dass OpenAI Integrationen zu großen Ad-Plattformen anbietet, damit Kampagnen über gewohnte Tools steuerbar sind. Empfehlung: kleine Testbudgets, klare KPIs, lernen – dann skalieren.
Zielgruppen & Branchen: Wer profitiert am meisten?
Software & SaaS: Hohe Beratungsintensität, viele „Best-of“-Fragen – ideal für gesponserte Empfehlungen im Moment der Bedarfserkennung.
E-Commerce (erklärungsintensiv): Elektronik, Maschinen, Sportequipment – ChatGPT als Berater; passende Brand-/Produkt-Hinweise überzeugen.
Reise, Bildung, Weiterbildung: Nutzer suchen aktiv Empfehlungen; Ads können prominent Lösungen platzieren.
Professionelle Dienstleistungen: Recht, Finanzen, Gesundheit, Marketing – lokale und spezialisierte Services profitieren von intent-starken Anfragen.
Weniger geeignet: Impulskäufe/Low-Involvement und sehr kleine Nischen ohne Such- oder Beratungsvolumen.
Zielgruppe heute: eher technikaffin, tendenziell unter 35 – erweitert sich aber schnell. Early Adopters sichern sich Sichtbarkeit und Lernvorsprung.
Fazit: Chance mit Verantwortung
ChatGPT Ads stehen an der Schwelle vom Konzept zur Realität. Offizielle Signale deuten auf frühe Einführungen in den nächsten Jahren. Das Potenzial: neue Reichweiten, hyper-personalisierte Ansprache, völlig neue Formate. Wer früh lernt, KI-gestützte Kampagnen zu planen und zu messen, verschafft sich Vorsprung. Gleichzeitig gilt: Vertrauen sichern, Transparenz wahren, Mehrwert liefern. Gelingt die „thoughtful“ Integration, verschmilzt Werbung mit Beratung – und Chatbots wie ChatGPT werden zu einem zentralen Bestandteil des digitalen Werbemarkts.
Quellenverzeichnis (mit Links)
Search Engine Land (Leaks zu OpenAI-Umsatzplänen): https://searchengineland.com
eMarketer (Analysen, Nutzungs- & Marktprognosen): https://www.emarketer.com
Windows Central (Statements Sam Altman): https://www.windowscentral.com
SEO.com (Hiring-Hinweise, Mock-ups & Szenarien zu Ad-Formaten): https://www.seo.com
Neil Patel (Fachbeiträge zu Chat-Ads, Modelle & Best Practices): https://neilpatel.com
Adweek (Werbe-Ethik/Transparenz im KI-Kontext): https://www.adweek.com
believe.digital (Bewertung der Werbewirkung generativer Antworten): https://believe.digital
Reddit (Diskussionen/Beispiele zu Affiliate-/Empfehlungslogiken): https://www.reddit.com




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